Bürgermorde: Mahnmal für die Opfer der Nazis

20. Februar 2025

Die sogenannten Altöttinger Bürgermorde jähren sich heuer am 28. April zum 80. Mal. Der Stadtrat hat nun die Aufstellung eines Mahnmals beschlossen. Die SPD Altötting unterstützt das Vorhaben – beim geplanten Standort aber gibt es Meinungsverschiedenheiten.

Über die Notwendigkeit eines Mahnmals herrscht Einigkeit – in der SPD wie auch im Stadtrat. Nicht nur wegen des 80-Jahr-Gedenkens, wie SPD-Fraktionsführer Holger Gottschalk auf Nachfrage betonte, sondern auch aufgrund des aktuellen Geschehens weltweit: „Wir leben in einer Zeit, in der unsere Demokratie erneut durch Rechtspopulisten und Rechtsextremisten bedroht wird. Wir brauchen Erinnerungsorte für die Verbrechen der NS-Diktatur“, sagte er.

Auch die vom Altöttinger Kunstschmied und Stadtratsmitglied (CSU) Christian Pöllner entworfene Erinnerungsskulptur stieß auf allgemein sehr positive Resonanz im Stadtrat. Der Altöttinger Anzeiger beschrieb das Werk in seiner Ausgabe vom 15. Februar: Die Skulptur sei ca. 2,2 Meter hoch und 4,2 Meter breit und bestehe aus fünf stehenden, ca. zwei Zentimeter dicken Blechplatten, aus denen Silhouetten ausgeschnitten sind, die nicht jenen der Ermordeten entsprechen, sondern modern gekleidete Personen zeige – „wie wenn sie dem Leben entrissen wurden“. Vor den Platten lägen drei und dahinter zwei zweidimensionale Stahlfiguren, die als grobe Umrisse gestaltet seien, wie man sie als Zeichnungen am Boden von Verbrechenstatorten kenne. Die stehenden Bleche seien verzinkt und anthrazitfarben gestrichen, die Stahlplatten am Boden blieben unbehandelt und dürften rosten.

Über den geplanten Standort der Skulptur gehen jedoch auch in der Altöttinger SPD-Fraktion die Meinungen auseinander. Während Dritter Bürgermeister Hubert Rothmayer den Platz im hinteren Teil der Grünfläche an der Berufsfachschule für Musik – dort, am ehemaligen Landratsamt, waren am 28. April 1945 fünf Altöttinger Bürger kurz vor Kriegsende von Nazis erschossen worden – befürwortet, votierte Holger Gottschalk dagegen; ihm ist der Platz an dem engen Abgang vom Kapellplatz gegenüber der Kreuzweganlage nicht auffällig genug: „Warum stellen wir das Mahnmal nicht dorthin, wo es gesehen wird?“, fragte er in der Stadtratssitzung. Direkt auf dem Kapellplatz zum Beispiel. Auf Nachfrage erläuterte er: NS-Opfer habe es sehr viele gegeben, auch viele, die wir nicht kennen – die Skulptur von Christian Pöllner mache dies sehr gut deutlich. Daher müsse das Mahnmal nicht unbedingt dort stehen, wo fünf der Bürgermorde stattgefunden haben.

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