Haushaltsrede 2026

Holger Gottschalk
Foto: Christian Faul

18. März 2026

In der März-Sitzung des Altöttinger Stadtrats stand der Haushalt für dieses Jahr im Zentrum. Wir dokumentieren an dieser Stelle die Haushaltsrede von SPD-Fraktionssprecher Holger Gottschalk (Bild):

"Sehr geehrter Herr Erster Bürgermeister Antwerpen, werte Kolleginnen und Kollegen des Stadtrats, liebe Verwaltung, meine sehr geehrten Damen und Herren,

'Gar nicht krank ist auch nicht gesund', hat Karl Valentin einmal gesagt. Und wenn man sich den heute vorliegenden Haushaltsplan ansieht, dann kann man konstatieren: Unserer Stadt geht es eigentlich ganz ordentlich, aber ein bisserl ein finanzielles Reißen in den Gliedern spürt man schon. Aber wie das so ist mit dem Geld: 'Geld allein macht nicht glücklich, es muss einem auch gehören.'

Und ich erlaube mir heute, unser diesjähriges Zahlenwerk unter das Mikroskop zu legen. Denn dieser Haushalt ist kein toter Papierstapel, er ist ein lebendiger Organismus.

Schauen wir uns diesen Organismus Altötting einmal genauer an, und zwar durch die Brille der Naturwissenschaft. Ein Haushalt von rund 57 Millionen Euro ist kein statisches Gebilde, das ist gelebte Biochemie.

Der Verwaltungshaushalt ist das ATP – das Adenosintriphosphat – unserer Stadt. Es ist die schnell verfügbare Energie, die wir für jede Bewegung im Rathaus, in den Kitas und auf den Straßen brauchen. Hier gilt das Gesetz der Energieerhaltung: Was wir an Energie (also Geld) oben hineinstecken, muss unten als 1:1-Leistung für den Bürger ankommen. Da darf kein Joule ungenutzt verpuffen. Wenn die Enzyme in der Verwaltung gut katalysieren, dann läuft die Stadt.

Kommen wir zum Vermögenshaushalt. Das ist unser Baustoffwechsel. Hier findet die eigentliche Proteinbiosynthese statt. Wir bauen Aminosäure für Aminosäure an unserem Stadt-Gerüst. Ob es die Sanierung der Josef Guggenmos Schule Süd ist, das Haus der Vereine, unser Jugendzentrum JUHLE oder die Instandhaltung unserer Straßen – das sind die Proteine, die das Zytoskelett von Altötting stabilisieren. Dieser Anabolismus sorgt dafür, dass unser Organismus nach außen hin nicht nur bewohnbar, sondern auch ansehnlich und widerstandsfähig bleibt. Wir investieren hier in die biologische Substanz unserer Heimat.

Und trotzdem liebe Kolleginnen und Kollegen müssen auch wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass 'kleine Haushalte' die Lösung für schwierige Zeiten sind. In der Natur spart sich ein Baum auch nicht zu Tode, wenn der Boden karg wird – im Gegenteil: Er investiert massiv in sein Wurzelwerk, um später wieder wachsen zu können. Genau das tun wir hier. Wir investieren antizyklisch. In weniger guten Zeiten muss die öffentliche Hand investieren, damit der Organismus Altötting in den guten Zeiten von dieser Substanz profitieren kann. Wer heute am Baustoffwechsel spart, wird morgen keine Früchte ernten.

Aber so ein Organismus steht nicht alleine da:

jetzt kommt der Punkt, an dem die Umwelt Einfluss auf unsere Zelle nimmt:

Der osmotische Druck steigt, ich sag nur „Kreisumlage“. Wir haben in Altötting fleißige Mitochondrien – unsere Betriebe –, die rund 10 Millionen Euro an Gewerbesteuer erwirtschaften. Ein toller Nährwert! Aber direkt daneben liegt der Landkreis und erzeugt eine solche Osmose, dass diese 10 Millionen Euro fast eins zu eins wieder nach draußen gesaugt werden. 10 Millionen rein, 10 Millionen raus – das ist kein Stoffwechsel, das ist eine finanzielle Plasmolyse! Mein dringender Appell an alle zukünftigen Kreisräte: Sorgt’s bitte schnell dafür, dass dieser Druck abnimmt!

Zum Schluss bleibt mir nur ein herzliches Dankeschön unserer Stadtverwaltung zu sagen, allen voran der Kämmerei. Ihr seid die Enzyme, die diese komplexen Prozesse überhaupt erst katalysieren. Danke an unsere Schulen – sie sind die Ribosomen unserer Gesellschaft, in denen die Information für die nächste Generation geformt wird. Und mein tiefster Dank gilt unserem 'sozialen Immunsystem': den Vereinen, den Feuerwehren und all den im Ehrenamt tätigen Bürgerinnen und Bürgern. Ohne Euer Engagement würde das soziale Bindegewebe unserer Stadt zerreißen. Ihr haltet die Betriebstemperatur in Altötting auf einem menschlichen Niveau.

Ein Zellorganell habe ich vergessen – das endoplasmatische Reticulum – Wir als SPD-Fraktion – euer Endoplasmatisches Reticulum, der Filter, der sämtliche Produkte der Proteinbiosynthese sortiert – stimmen diesem Haushalt zu.

Er ist biologisch ausgewogen, chemisch stabil und die richtige Nährlösung für ein gesundes Wachstum. Er sorgt dafür, dass die Zelle Altötting nicht nur überlebt, sondern hoffentlich bald in voller Blüte steht.

Lassen Sie mich mit Karl Valentin enden: 'Heute ist die gute alte Zeit von morgen.' Sorgen wir also heute dafür, dass unser Stoffwechsel so gut eingestellt ist, dass wir auch morgen noch kraftvoll zubeißen können.

Vielen Dank!"

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